DAB+ weiter im Aufwind

Der Trend zum Radiohören über digitale Empfangswege und Geräte hat sich in Deutschland verfestigt. Nach den Befragungsergebnissen zum Digitalisierungsbericht 2016 der Medienanstalten ergibt sich zum dritten Mal in Folge ein sehr starkes Wachstum für Digitalradio. Die Anzahl der DAB+-Empfangsgeräte ist innerhalb eines Jahres um 1,85 Mio. bzw. 29 Prozent auf 8,24 Mio. angestiegen. Immerhin 9,53 Mio. Personen ab 14 Jahren nutzen inzwischen DAB+-Empfangsgeräte zumindest gelegentlich zum Radiohören. Der Anstieg beträgt rund 3 Prozentpunkte von 10,6 auf 13,8 Prozent. Ein Siebtel der deutschen Bevölkerung verfügt damit inzwischen über Digitalradio.

Gut ein Drittel der Bevölkerung (plus 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) hört inzwischen zumindest gelegentlich Radio über das Internet. Diese Entwicklung wird durch das Smartphone gestützt, über das bereits mehr als ein Sechstel der Bevölkerung zumindest gelegentlich Internetradio nutzt.

Vor allem bei den 14- bis 29-Jährigen ist ein klarer Trend zum Radiohören über das Internet und/oder DAB+ erkennbar. Sie nutzen immer stärker beide digitale Empfangsarten und suchen sich je nach Empfangsort und Präferenz die geeignete Empfangsmöglichkeit aus. Das Radiohören über UKW ist aber noch stark verbreitet und für gut drei Viertel der Bevölkerung immer noch die meist genutzte Radioempfangsart, während Kabel- und Satellitenradio Einbußen zu verzeichnen haben.

Diese Ergebnisse erhob TNS Infratest im Rahmen der Studie zum Digitalisierungsbericht 2016. Dazu wurden im Zeitraum Mai/Juni in Deutschland mehr als 8.000 Personen ab 14 Jahren befragt. In Ergänzung dazu wurde im Zeitraum Juni/Juli 2016 eine sogenannte „Pilotstudie DAB+-Nutzung“ durchgeführt, um erstmals die Radionutzung in den DAB+-Empfangshaushalten zu ermitteln. An der Tagebucherhebung beteiligten sich 2.269 Personen, die im Laufe von acht Tagen im Zeitraum Juni/Juli 2016 ihr Radionutzungsverhalten dokumentiert haben.

Signifikante Nutzung von DAB+ in Empfangshaushalten
Die Ergebnisse der Tagebucherhebung belegen, dass neben der zunehmenden Marktdurchdringung von DAB+ bei den Radio-Empfangsgeräten auch die tatsächliche Nutzung von Digitalradio in den Empfangshaushalten bereits beachtliche Werte erzielt. Der Nutzungsanteil von DAB+ an den Radioempfangswegen in diesen Haushalten beträgt schon 19 Prozent. Das sind 46 Minuten der insgesamt erhobenen Hördauer von 248 Minuten. DAB+ liegt damit vor dem Verbreitungsweg Internet, der einen Anteil von 43 Minuten bzw. 17 Prozent an der Hördauer hat. Auf UKW entfällt mit 134 Minuten bzw. 54 Prozent nach wie vor der höchste Anteil. Dies ist aber nicht erstaunlich, weil auch in den DAB+-Empfangshaushalten noch drei von fünf Empfangsgeräten bzw. 60 Prozent der Geräte ausschließlich über einen UKW-Empfang verfügen. Auf die stationären Empfangsarten Kabel/Satellit entfällt in den DAB+-Empfangshaushalten noch ein Anteil von 14 Minuten bzw. 6 Prozent an der Hördauer. Bei differenzierter Betrachtung nach Bundesländern zeigt sich, dass der DAB+-Anteil an der Radionutzung in den südlichen Ländern Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils 25 Prozent und in Hessen mit 24 Prozent deutlich überdurchschnittlich ist.

Die Pilotstudie DAB+-Nutzung wurde durchgeführt von der agma-Tochter mmc im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (die medienanstalten), der ARD, Deutschlandradio, Media Broadcast und der privaten Anbieter Regiocast, Energy, Neue Welle und Schlagerparadies.

DLM-Vorsitzender Schneider bewertet Ergebnisse positiv
Die Ergebnisse beider Studien wurden heute auf dem Digitalradiotag der Medienanstalten im Rahmen der Internationalen Funkausstellung Berlin (IFA) präsentiert. Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Siegfried Schneider, bewertet die Ergebnisse der von den Medienanstalten initiierten Studien als Durchbruch für die Entwicklung des digitalen Hörfunks in Deutschland: „An DAB+ führt kein Weg mehr vorbei – das zeigen die neuen Zahlen deutlich.“ Umso wichtiger sei es nun, die Rahmenbedingungen für das weitere Wachstum zu optimieren. Hier sei die Initiative der Politik, beispielsweise durch technische Vorgaben, ebenso gefragt wie das Engagement der öffentlich-rechtlichen wie privaten Sender. Eine nicht unnötig in die Länge gezogene Durchsetzung des neuen Digitalradio-Standards könne nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang zögen – das ergebe auch die neue Nutzungsstudie: „Danach ist die DAB+-Verbreitung in denjenigen Ländern höher, in denen sich private wie öffentlich-rechtliche Sender engagieren. Und die Privaten bleiben dort auf Augenhöhe mit den Öffentlich-Rechtlichen“. Der Prozess der allmählichen Marktdurchdringung von DAB+ ist aus Schneiders Sicht jetzt unumkehrbar.

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